Zum Tod von Frederic Vester
Die Personifizierung
vernetzten Denkens
So lag es nahe, daß er sein 1999 erschienenes Buch Die Kunst, vernetzt zu denken. Ideen und Werkzeuge für einen neuen Umgang mit Komplexität um neue Kapitel und Fallstudien zur Komplexität der Genmanipulation, Kernenergie, kybernetischer Medizin und Terrorprävention erweiterte, so daß es im Frühjahr 2002 als Bericht an den Club of Rome erschien. Es wurde vom deutschen Buchhandel zum "Sachbuch des Monats" gekürt.
Inzwischen haben Konzerne wie IBM und Siemens Vesters Methoden teilweise übernommen, hat die Wirtschaftshochschule in Köln ein biokybernetisches Controlling entwickelt. Daimler-Benz, die Hoechst AG, Sachversicherungen, Ministerien und immer mehr Universitätsinstitute arbeiten mit dem von Frederic Vester entwickelten Sensitivitätsmodell, einem computergestützten Instrumentarium für den Umgang mit komplexen Systemen.
Dennoch ist die Studiengruppe für Biologie und Umwelt nie über zehn
Mitarbeiter hinaus gewachsen und arbeitet im Bedarfsfall mit freien Mitarbeitern zusammen. Hauptkriterium für die Übernahme von Aufträgen: "Sinnliche Bejahung des Lebens."
Und sein eigenes Leben? - Wochenende und Urlaub im eigentlichen Sinne sind Begriffe, die Frederic Vester nicht kannte - Arbeit, Leben, Liebe, Erholung, unterstrich er, waren bei ihm zu einer Einheit des Daseins integriert. Seine Kraftquelle sei der "ungeheure Spaß" gewesen, den ihm auf der einen Seite die Arbeit bereitete. Und auf der anderen Seite seine Familie, zu der auch einige Enkel gehören. Berufliche Entscheidungen betreffend war seine Frau sein wichtigster Berater. Vester: "Zusammen treiben wir Yoga, sind vom Auto aufs Fahrrad umgestiegen, schwimmen täglich, saunieren und sind viel mit unseren Kindern - die beiden Töchter sind Schauspielerinnen, der Sohn ist Musiker - zusammen. Das hält den Geist jung."
Mit Blick auf die wichtige Bewußtseinsbildung arbeitete Vester intensiv als Publizist. Er hat nicht nur zahlreiche Bücher geschrieben, sondern auch Wanderausstellungen konzipiert. Für den Fernsehfilm Denken, Lernen, Vergessen wurde Frederic Vester 1974 mit dem Adolf Grimme-Preis ausgezeichnet. Er erhielt zahlreiche weitere Ehrungen.
Frederic Vester hat bis zuletzt wissenschaftlich gearbeitet. Er starb in der Nacht zum 2. November 2003 an den Folgen einer schweren Krankheit.